Einleitung
Sie gehören zu den wertvollsten Modestoffen der Welt: reine Seide und Seidenmischgewebe.

Abschnitt 1
Zu ihren besonderen Eigenschaften gehört ihre isolierende Wirkung. So kĂŒhlt Kleidung aus Seidenstoff im Sommer und wĂ€rmt im Winter. Auch lassen sich Seidenstoffe sehr komfortabel tragen und schmeicheln der Haut. Zudem sind sie anti-allergisch, fast knitterfrei und reiĂfest, doch zugleich elastisch sowie sehr leicht. Und genau diese Eigenschaft bereitet oft Probleme beim NĂ€hen. Die sehr dĂŒnnen und feinen Seidenstoff lassen nichtso einfach zuschneiden und nĂ€hen wie andere Stoff. Dabei kann sich schnell Frust einstellen. Die folgenden Tipps zeigen Ihnen, wie Sie feine Stoffe mit Lust und Erfolg in Ihre NĂ€hprojekte integrieren können.
Feine Stoffe zuschneiden
Bevor Sie einen Seidenstoff zuschneiden, falten Sie ihn auseinander und bĂŒgeln den Mittelbruch. Denn andernfalls bleibt dieser Bruch selbst nach mehrmaligem Waschen und BĂŒgeln sichtbar. LĂ€sst sich der Mittelbruch durch BĂŒgeln nicht beseitigen, schneiden Sie den Stoff möglichst ohne diesen Bruch zu.
Um den Seidenstoff zu schĂŒtzen, ist es ratsam, eine Gewebeeinlage zum AufbĂŒgeln zu verwenden. Im Fachhandel erhalten Sie dafĂŒr spezielle halbtransparente Gewebeeinlagen. Sie kann mit mĂ€Ăiger Temperatur selbst auf sehr feine, transparente Seidenstoffe trocken aufgebĂŒgelt werden. Weil Chiffon sich krĂ€uselt, wenn er mit Wasser in BerĂŒhrung kommt, benutzen Sie DampfbĂŒgeleisen nur mit leerem Tank. Und achten Sie unbedingt darauf, dass die BĂŒgeleisensohle keine Kratzer hat. Sie könnten den Seidenstoff beschĂ€digen. Zum Schutz sollten Sie Seidenpapier zwischen Stoff und BĂŒgeleisen legen.
Mithilfe eines glatten Kopier-RĂ€dchens oder mit Kopier-Papier ĂŒbertragen Sie die Nahtlinien. Bei hellen oder transparenten Seidenstoffen sollten Sie nur weiĂes Kopier-Papier verwenden, denn Papier in einer Kontrastfarbe könnte auch auf der rechten Stoffseite zu sehen sein. Sicherheitshalber probieren Sie das Kopier-Papier an einem kleinen Stoffrest aus. Bei einfarbigen Chiffons ist das Kopieren nicht möglich, weil die Linien des RĂ€dchens auf die rechte Stoffseite durchscheinen wĂŒrden. Und markieren Sie die Nahtlinien immer nur auf der linken Stoffseite.
FĂŒr das Zuschneiden der Seidenstoffe ist der Einsatz von Rollschneider und Schneidematte ideal. Denn bei dieser Methode bewegen Sie den Stoff beim Schneiden nicht. Die Schnitteile fixieren Sie zuvor mit Gewichten. Ziehen Sie hingegen den Zuschnitt mit der Schere vor, nutzen Sie eine Schneiderschere mit gebogenem Griff. Damit heben Sie den Stoff beim Schneiden kaum an. Wichtig ist, dass Sie beim Zuschneiden eine rutschhemmende Unterlage verwenden wie ein Tuch aus Baumwolle oder Leinen.
Zum Feststecken der Schnittteile verwenden Sie bitte nur dĂŒnne Stecknadeln mit einwandfreier Spitze, die den Stoff nicht beschĂ€digen.
Feine Stoffe nÀhen
Bei herkömmlichen Seidenstoffen sollten Sie eine 55er Seidenkrepp Georgette verwenden, bei sehr zarten Seidenstoffen hingegen eine 60er oder 70er Microtexnadel. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Nadel eine absolut unbeschĂ€digte Spitze hat. Denn eine defekte Nadelspitze kann FĂ€den ziehen oder den Seidenstoff beschĂ€digen. Daher die Nadel mit den Fingerkuppen auf Unebenheiten prĂŒfen und im Zweifel eine neue Nadel verwenden.
NĂ€hen Sie mit einer StichlĂ€nge von 2,5 mm. Bei gröĂeren Stichen könnte sich die Naht zusammenziehen. Als Garn eignet sich insbesondere ein feines Maschinenstick- oder Maschinenstopfgarn mit einer FadenstĂ€rke 100 oder 120. Es gilt: Je höher die Angabe der FadenstĂ€rke, desto feiner ist das Garn.
Auch die richtige Fadenspannung ist beim NĂ€hen von leichten, feinen Stoffen sehr wichtig. Als NĂ€hmaschineneinstellung wĂ€hlen Sie Auto. FĂŒr den Geradstich wĂ€hlen Sie die StichlĂ€nge von ca. 2,5 mm.
Bei NĂ€hmaschinen ohne gröĂere Stichauswahl sollten Sie die VersĂ€uberungsnaht mit dem elastischen Zickzackstich von 1 bis 1,5 mm und einer Stichbreite von 3-4 mm nĂ€hen. Computermaschinen verfĂŒgen ĂŒber gewisse Abkettelstiche, die Sie zum Beispiel auf der W6 WERTARBEIT Internetseite unter dem Schlagwort Hilfe bei dem jeweiligen Maschinentyp finden.
Beim Steppen legen Sie Seidenpapier oder wasserlösliches Vlies z. B. von W6 WERTARBEIT am Nahtanfang oder entlang der gesamten Naht unter den Stoff. Das stabilisiert ihn und verhindert, dass der Transporteur FĂ€den zieht. Nach dem NĂ€hen können Sie es vorsichtig abreiĂen. Ăbrigens: Das Unterlegen von Seidenpapier verhindert bei elastischen Stoffen, dass sie sich beim NĂ€hen ausdehnen und wellig werden.
FĂŒr ein sauberes Innenleben des genĂ€hten StĂŒcks mĂŒssen Sie die NĂ€hte sorgfĂ€ltig versĂ€ubern. Am schnellsten geht dies mit einer Overlockmaschine. Alternativ können Sie ungefĂ€hr 5 mm neben der Nahtzugabenkante mit einem elastischen Zickzackstich nĂ€hen. AnschlieĂend schneiden Sie die Zugabe entlang den Stichen ab.
DoppelnĂ€hte wirken besonders edel. Die sogenannte Französische Naht eignet sich hervorragend fĂŒr Seidenstoffe, KleidungsstĂŒcke ohne Futter oder mit sichtbaren InnennĂ€hten. Gearbeitet wird die Französische Naht wie folgt:
- FĂŒr diese Naht sollten Sie etwas mehr als 1cm Nahtzugabe einplanen.
- Legen Sie die beiden Stoffteile mit ihren linken Seiten aufeinander, um sie dann mit Stecknadeln zu fixieren.
- Steppen Sie die Stoffteile etwa 5 Millimeter breit ab. Sofern notwendig, schneiden Sie die Nahtzugabe noch etwas zurĂŒck.
- Trennen Sie ĂŒberstehende FĂ€den ab und bĂŒgeln die Naht von beiden Seiten.
- Nun legen Sie den Stoff genau an der Naht rechts auf rechts und stecken ihn erneut fest.
- Steppen Sie die beiden Stoffteile noch einmal etwa zehn Millimeter breit ab.
- Zum Schluss bĂŒgeln Sie die Naht und legen dabei die Nahtzugabe auf eine Seite um.
Die fertige Naht ist innenliegend, sauber, gerade und ohne Fransen. Und auch auf rechts gewendet sieht sie makellos aus.
Haben Sie weitere Tipps, wie sich feine Seidenstoffe leicht zuschneiden und nÀhen lassen? Wie nehmen Ihre Anregungen gern entgegen. Bitte mailen Sie Ihre Hinweise an info@w6-wertarbeit.de
Seide - eine tierische Edel-Faser
Seide ist die einzige in der Natur vorkommende textile Endlos-Faser und besteht hauptsÀchlich aus Protein. Gewonnen wird sie aus den Kokons der Seidenraupe,der Larve des Seidenspinners, einer Schmetterlingsart.
Eine Raupe verpuppt sich, indem sie die Seide in speziellen DrĂŒsen im Maul produziert. Diesen Seidenfaden legt sie in groĂen Schlaufen in bis zu 300.000 Windungen um sich herum.